Es hat noch mal weit runter geschneit, jetzt, Ende Mai, und deshalb reicht der Schnee im Blickfeld fast bis auf die Wiese, in der die Grillen tiefen Südens zirpen.

Unterwegs sein ist fast nie so beschwerlich, wie ich vorher dachte; und trotzdem bin ich dann überrascht, wie sehr ich mich auf daheim freue.

Ich habe ein Unwetter verpaßt und trotzdem einen See nicht gesehen.

Yuval Harari führt die moderne Reiselust auf ein Zusammenspiel aus Romantik und Individualismus zurück. Menschen streben nun mal nach mehr als Satt- und Sicherheit. Und wo sich frühere Menschen um ihr jenseitiges Heil gesorgt hätten, zähle bei uns das – exotische – Erlebnis. (Und vielleicht, was wir auf Speicherkarten und Videochips davon mitbringen.)

Ich weiß nicht, ob es mir an Individualismus gebricht; aber daß ich unromantisch sei, höre ich häufiger.






Ich weiß ja nicht, ob vier Wochen Antalya-rundum-sorglos-Paket etwas mit Reiselust zu tun hat -- oder was meint Harari damit?

Mir fällt auf, daß die Reiseliteratur ("Mein Jahr in Ugabunga" -- "Auf Rollschuhen durch den Hindukusch" -- "Als Frau allein über die Domplatte") in den letzten Jahren stark zugelegt hat, mit besonderem Schwerpunkt auf Extremem und Humoristischem, Selbstfindung und Krisenbewältigung inklusive. (Bücher über kulturell motivierte Reisen, etwa die großartigen Essays von Nooteboom, scheinen dagegen nicht so zu florieren.) -- Ob das eine Art Ersatzhandlung ist für die Reisen, die man sich selbst nicht zutraut? Mir scheint da auch ein Zusammenhang zu bestehen zwischen dem Wachstum in der Abenteuerreiseliteratur und der Ausbreitung von himalayatauglicher Kleidung in den Großstädten der gemäßigten Klimazonen. (Wenn man schon nicht selbst nach Nepal reist, will man wenigstens eine dort benötigte Jacke tragen?)


Kein alter Ägypter oder Renaissancefürst, und wäre er auch noch so reich gewesen, wäre darauf verfallen, mal eben zwei Reiche weiter zu reisen, um was zu erleben. Der Renaissancefürst hätte zur Entspannung vielleicht gejagt oder geforscht und gesammelt, der Ägypter sein Geld in einen schicken Sarkophag investiert. Heute und bei uns macht man Urlaub, je nach Geldbeutel. Was Sie da anreißen, ist vielleicht auch dieses "draußen zuhause": raus und weg sein, aber nicht auf Komfort und ordentliches Schnitzel verzichten müssen. (Reisen wie Nicolas Bouvier kann man heute nicht mehr machen.)


"Kein alter Ägypter oder Renaissancefürst, und wäre er auch noch so reich gewesen, wäre darauf verfallen, mal eben zwei Reiche weiter zu reisen, um was zu erleben."

Aber Herodot!


Hm, aber ob der für seine Reiseberichte reisen mußte –?