Wenn für das, was gesagt werden müßte, Worte ohnehin nicht reichen, flüchte ich mich in die Kürze, geradezu: Ruppigkeit.





K. trägt heute ihre Halskette aus grauen Möbelgleitern und Haarnadeln, man zögert, sie Schmuck zu nennen. Aber Protz will K. gerade noch weniger als sonst. Hast du gesehen, einen Tag nach der Amtseinführung hatte das Oval Office goldene Vorhänge.

Eine halbe Zwiebel in einem Plastikbeutel (@halfonioninabag) versucht gerade, mehr Twitter-Follower zu sammeln als der Präsident der Vereinigten Staaten. Nutzt natürlich auch nichts, aber es hat dazu gereicht, mich noch einmal bei Twitter einzuloggen.

Das komplette ABC-Interview habe ich gelesen. Wegschauen ist schwer bei diesem transatlantischen Desaster, dieser bizarren Mischung aus Kindervorstellung und Trauerspiel. Barbarische Zeiten sind ausgebrochen.

Vielleicht sollte ich es halten wie H.: keine Nachrichten. Schlimm ist es auch, ohne daß ich davon weiß.

 

Und daß es alles andere als in Ordnung ist, wenn der Anführer der freien Welt (was immer das bedeutet) so medienwirksam wie beiläufig Folter gutheißt. Daß Verantwortung auch bedeutet, die Menschenrechte nicht ohne Not in Frage zu stellen. Daß man darüber überhaupt streiten kann, hinterläßt mich, gelinde gesagt, irritiert.





Bei Doctor Who gibt es diese wiederkehrende Szene, in der der Doctor die Menschheit betrachtet: Oh, ihr kleinen, schwachen Dinger, mit so viel Lebenswillen! So viele Ideen, so viel Schönes, so viel Liebe! – Und dann rettet er die Welt.

Ein Nachmittag mit M. Nach Stunden: Sag, müßten wir nicht über den Wahlsieg von Trump reden? – Nein. Das hat er nicht verdient. Stattdessen reden wir darüber, ob Jura als Fach in die Schule gehört. M. meint, ja; ich bin vehement dagegen.

Vier Fünftel der Insekten hier sind weg, nicht ganze Arten, sondern einfach weniger Masse; über so was wache ich auf in der Nacht. Und die Sanierungen in meiner Straße: keine Nester mehr, keine Singwarten für die Viertelamseln. Der Mensch ist das einzige Tier, das anderen den Lebensraum raubt, selbst wenn es darum weiß und anders könnte.





Alle Welt redet von Steckdose statt Fossil, vom Plus durch neue Technologie. Warum hört man so wenig vom Abwarten, vom Teilen, vom Verzichten?





Ich kenne nicht viele waschechte Arschlöcher. G. habe ich mal für einen Freund gehalten; inzwischen weiß ich es besser. Was ich nicht weiß, ist, wie er eines geworden ist. Vielleicht war er es schon immer, und ich habe das nur nicht sehen wollen? Ein Gedanke voller Peinlichkeit.

H. erzählt von einem, das kennt er nur virtuell. Was ist das für einer?, will ich wissen. H. zuckt die Schultern. Sieht auf dem Foto aus wie ein ganz normaler Mensch, ist aber ein Arschloch.

Gelegentlich diskutiere ich darüber, wie viele der Regeln für unser Zusammenleben auf der Vorannahme basieren, daß Leute sich wie Arschlöcher verhalten, und wie viele voraussetzen, daß sie's nicht tun. Zumindest gibt es ganze Geschäftsmodelle, die nur dank Arschlöchern blühen.

Und dann bin ich sehr froh, wieder an etwas anderes zu denken.