Eine häufige Frage auf seine Antwort, er sei Schriftsteller, laute: ja, und was machst du da so die ganze Zeit?
Wenn er schreibt, liest er nicht. Da er meist ein Buch fertigstellt und währenddessen schon mit Skizzen für das nächste beginnt, liest er überhaupt nur wenig, gar nichts auf Englisch und nur Dinge, die ihn sprachlich und inhaltlich möglichst wenig beeinflussen können.
Der Zweifel: vielleicht sei das neueste Buch doch zu sehr auf das ausgelegt, was die Leute lesen wollten ...
Und das Thema "Buchkritik" besser meiden. Nicht wegen etwaiger Verrisse, nein, wegen der Amazon-Kundenrezensionen.
Er würde ja manchmal gern etwas ganz anderes erzählen und hätte da auch ein paar Sachen, aber sein Name sei ja nun so etwas wie eine Marke. Vielleicht unter Pseudonym, dann müßte er sich aber wieder ganz von vorn aufbauen ...
Du hast's gut, du kannst vom Schreiben leben.
Jedes Heute ein wenig kürzer als gestern noch: die Dunkelheit gewinnt, und mit der Dunkelheit kommen die Erinnerungen. Es wird still. Die Aufmerksamkeit richtet sich nach innen. Vergangenes und nie Gewesenes scheinen klarer als das, was sich in den kurzen hellen Stunden drängt.
Wir können das wohl nicht mehr gut vertragen. Die Stadt lärmt und prangt im Überschein; ich ducke mich unter dem Ansturm der Kauf!-Appelle und werde selber immer finsterer dabei.
Man müßte nachdenken, gründlich nachdenken. Ich wünsche mir eine Decke aus Schnee und darunter einen warmen Raum aus Ruhe für den Winter.
Gibt Städte, da legt der Finder im Schacht vergessenes Wechselgeld sogfältig oben auf den Automaten, ehe er sich selbst einen Parkschein zieht. Vermutlich ist auch viel über einen Ort zu sagen anhand dessen, was da in den Fundbüroregalen auf rechtmäßige Inbesitznahme wartet.
Kleine Freundlichkeiten, die für sich genommen die Welt nicht bewegen, sie aber heller machen. Mich entzückt so etwas: der Passant, der an einer Traube geparkter Fahrräder vorüberschlendert, umkehrt, bei einem Rad das brennende Rücklicht ausknipst und seinen Weg fortsetzt. Eine Kundin, die im Gemüseladen einer anderen mit Kleingeld aushilft, neinnein, nehmen Sie nur, das ist doch selbstverständlich. Menschen, die etwas für Unbekannte tun, ohne sich einen Vorteil zu erwarten: unberechenbar.
(Natürlich gibt es auch andere, wie den Dieb, der die Bücher auskippte, mitsamt dem Schild "zu verschenken", und den Pappkarton mitnahm. Da weiß man dann auch nicht so recht.)
Ich kann gut alleine sein ist nicht gleich ich bin gern allein. Manchmal: ich komm schon klar. Manchmal: laß mich in Ruhe.
Im Gespräch ist der ferne, vage Plan meist: wenn ich (irgendwann; vielleicht) jemanden gefunden habe ...; niemand scheint damit zu rechnen, allein zu bleiben. Vielleicht will man sich nicht öffentlich begnügen, sich nicht für einen hoffnungslosen Fall halten.
Alleinsein lernt sich anscheinend leichter, wenn man die Rahmenbedingungen in der Hand hat. Oder zumindest Gründe weiß.
Man wächst ins Alleinsein hinein; irgendwann ist es ein bequemes Gehäuse, aus dem man nur mehr schwer herausfindet. Im Tausch: das Gefühl, allein nicht richtig zu sein in einer Welt der Eingebundenen. Eine Grundsehnsucht.
Letztlich wohl Sehnsucht nach: gesehen werden. Berührt werden. Zwei Verben im Passiv, wo Alleinsein sonst überall Aktiv verlangt.
Ich verspüre wenig Neigung (und habe sicher kein Talent), Menschen vom Alleinsein zu befreien, deren Art zu leben das nun eben ist. Alleinsein braucht keine Rechtfertigung, finde ich. Sehnsucht auch nicht.
Es ist weit weg, und ich war dort nie; ich kenne nur die Bilder aus dem Lateinbuch. Und doch fühle ich mich, als hätte man mir etwas weggenommen.
Geschichte vernichten – sich selbst ein Bein abhacken und rufen: da seht ihr, wozu wir in der Lage sind! Das ist das eine. Das andere: woher nehmen sie das Recht zu dieser Zerstörung?, und der Kummer darüber, daß genau diese Frage völlig zwecklos ist, daß es niemanden gibt, an den man sie richten könnte.
Gefröstelt habe ich, als am Tag nach der Zerstörung der Palmyra-Artikel bei Wikipedia bereits im Präteritum stand. Immer aktuell, immer korrekt. Kein Toter bleibt auch nur sprachlich unter uns, wenn seine Zeit um ist, während unsereins noch nicht fertig ist damit, die Barbarei seiner Ermordung zu beklagen.