Montag, 1. Juni 2020

Gesichtsbedeckungen, Desinfektion, Abstand und wie er zu halten ist – jetzt sei, schreibt Freund M, die Krise in seinen Träumen angekommen.

In meinen Träumen regnet es allnächtlich nicht, Insekten werden ausgerottet, Medikamente gesucht, Flüchtende müssen untergebracht, Polizisten ausgetrickst werden. Wenn ich in Schlaf falle, sind die Probleme immer schon da.





Dienstag, 26. Mai 2020

Auf dem Dach nebenan liegt ein abgestürzter Meisenknödel, den haben die Hausrotschwänzchen entdeckt und halten sich seit Tagen daran schadlos. Stille Genießer sind sie nicht. Pausenlos posaunen sie herum: Nein, was ist das denn! Da haben wir aber was gefunden! Großartig! Ist das nicht die Wucht! – Ich wundere mich, daß offenbar nur ich aufmerksam geworden bin und nicht die Konkurrenz oder das Raubgetier.

Die nächste Frau, sagt H, sollte aber essen, was der Kollege kocht. Naja, sage ich, daß er für sie immer etwas extra machen mußte; aber es gibt doch noch andere Kriterien … H ist sicher: Wenn einer so viel Freude am Kochen hat, so gut kocht, und dann ißt sie es nicht? Jeden Tag aufs neue? Das ist Höchststrafe. Sie muß gern essen, sonst wird das nix.

Kein Kaffee mit T, weil ich huste.

Im übrigen soll es, wie immer, nächste Woche regnen.





Mittwoch, 6. Mai 2020

Ich muß bis sieben zählen, etwa sechstausendneunhundertunddreißig mal, und schon nach den ersten knapp tausend kann ich sagen: es geht gut. Das macht mein Hirn auf Autopilot, einfach so, Streich auf Streich.

Ich: … 2 … 4 … 6 …
Hirn: SIEBEN!
Ich: Ich weiß! Erschreck mich nicht.

Ich: … 2 … 3 … Die Reihe noch, dann kann ich für–
Hirn: SIEBEN!!
Ich: Argh, ja, ja. Meine Güte.

Ich wüßte nicht, wann, aber das hat es wohl geübt.





Freitag, 1. Mai 2020

Regen, endlich.

Zu Protokoll: einen Mauersegler gehört. Vielleicht.

Hinterhofdrama: Irgendwo unter den Gartenmöbeln der Nachbarn scheint ein Amselküken versteckt zu sein; mehrmals täglich zetern die Alten auf den Dächern, wenn sie nicht hinunter können vor lauter Menschen.

Das Lieblingslokal verkauft Essen zum Abholen. (Und zum Niederknien, natürlich.)

Ein allerletztes, kleines Ende des Tokarczuk-Krimis habe ich noch übrig; und eine ganze Menge Arbeit.





Dienstag, 21. April 2020

Techniken des Kaffeetrinkens: die schöne Kanne, und der Rechner des Winkels wegen auf dem Herd. Im Gespräch so tun, als benähme sich unterm Tisch ein Huhn daneben.

Neue Hose bestellt. Auch wenn man die alte noch eine ganze Weile außerhalb der Bildfläche weiter hätte zerschleißen können.

Große Rührung über eine kleine, regelmäßige Handschrift, und die Sätze so schön. Fast wie Aug in Auge.

Derweil verstreicht da draußen die Zeit: so müssen sich Insekten im Bernstein fühlen.





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