Samstag, 22. August 2026

Ich betrachte die Zugriffe und Referrer auf mein Blog ohne ernsthaftes Wissen; eher wie die Eingeweide eines Opfertiers.

Es werden jedenfalls mehr, seit ich auf Blogrolls stehe (danke! Ich mag Blogrolls. Irgendwann werde ich auch wieder eine Blogroll haben).

Was ich mir nicht erklären kann, sind die Zugriffe aus dem Osten und dem fernen Osten. (Ich schreibe nicht in mir fremden Zungen, behandle thematisch wenig Weltumspannendes, verlinke kaum und klicke nicht auf Links.) Haben das alle? Muß man was tun? Gibt es da überhaupt irgendwas zu verstehen?

Einstweilen mache ich mir simple Regeln: Referrer endend auf .com: Zähneputzen nicht vergessen. Referrer auf .cn: Strickprojekte anschlagen. Referrer auf .ru: Gartenarbeit. Am selben Tag .cn und .ru: Auto waschen oder Aktiengeschäfte tätigen.

Man hat ja gerne seine Welt in Ordnung.





Sonntag, 9. August 2026

Himmel blau, Gras gelb.

Der Wald ist trocken. Die oberste Schicht des Bodens, ein feinfädiges Wurzelgeflecht, hält den Tritten nicht mehr stand und löst sich zu Staub; überall am Hang sieht man: hier ist wer gerutscht.

Die Hitze setzt mir weniger zu als den Bäumen; ich kann mir ja Schatten suchen und kriege mein Wasser aus der Leitung, noch.

How do we sleep when our earth is burnin'?





Sonntag, 19. Juli 2026

Im Zug hält mir eine Frau ihr Handy quasi direkt unter die Nase, auf dem Bildschirm: Mundwinkel, Fotos von Mundwinkeln in jeder Beleuchtung, in endloser Prozession, jeder einzelne ein für sie personalisierter Vorwurf. Mundwinkel-Doomscrolling.

B, die Schöne mit dem weichen Herzen und den sanften Händen, kennt nichts als harte Entscheidungen vor lauter Gewissen, aber sie zögert keine Sekunde, einem die Rippen zu brechen, wenn es um sein Leben geht.

Er habe sich, sagt K, den Baum zeigen lassen, an dem sein alter Freund sich aufgehängt hat. Sonst wäre es in seiner Phantasie jeder einzelne des Waldes gewesen; nie wieder hätte er dort hingekonnt.

Und ich? Ich gehe eine Runde. Ein paar Kilometer Weg, Papier und Stift. Möge es helfen.





Samstag, 4. Juli 2026

Eine Herde Wolkenschafe zieht am oberen Rand meines Fensters übers Blau, gescheucht von ausgelassenen Mauerseglern. Einer der milderen Sommertage betritt die Stadt.

Ich habe vieles vernachlässigt, aber mich in eine Sache so gründlich hineingedacht, daß ich nun suchen muß, wie ich da wieder herausfinde. Ich bin noch nicht sicher, ob das gut ist oder schlecht.

Die Mauersegler unterm Dach; Briefe; Geld, das mir nicht gehört; ein aufgeschlagenes Knie, wie als Kind.

Fallen kann ich noch!





Montag, 29. Juni 2026

Am Hang war er licht, knorrige, niedrige Eichen und ein Geruch nach Sonne und wildem Oregano; als Kind dachte ich, Südfrankreich ist genau wie hier. Eidechsenfelsen: Kartäusernelken als Funken überm Staub der Wege, Blindschleichen, seltene Schmetterlinge und der Diptam, der süß duftet und, so heißt es, sich an heißen Tagen ganz von selbst entzündet.

Auf dem Hügel war er dann die grüne Krone: Buchen, Nadelbaumversuche und alte Eßkastanien, ein wenig zerfleddert alles, aber kühl. Dreht man sich um, fliegt das Auge wie ein Bussard über Weinhänge und Äcker, in jede Richtung hundert Wanderpläne.

Der Blick wird bleiben, aber der Wald, der Wald brennt, seit Tagen nun schon: Kulisse und Komm-wir-gehen-eine-Runde-raus-Gebiet, Schulausflugsland, Wurzel- und Erinnerungsgrund – alles Rauch und Asche.

Mir geht es wie vielen: Ich habe einen Platz in der Welt verloren, einen alten Freund. Einmal mehr.

 

 





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