Donnerstag, 6. Dezember 2018

Ich trinke ja gern mit T und V Kaffee; die beiden kennen sich so lange, es ist eine Freude, ihnen einfach zuzuhören. V erzählt von einem bevorstehenden Auftritt, für den er "was Weihnachtliches zum Schütteln" sucht, und schon sitzt der Ohrwurm.

Seid froh, daß ihr nur diese und nicht meine Ohrwürmer habt, sagt V, und auf unsere skeptischen Blicke hin erzählt er von der Lieblings-CD seines Töchterchens, die davon handelt, daß ein Mann auf den Markt geht, um ein Hähnchen zu kaufen. Dann stellt V sich hin und singt lauthals und glockenrein etwas ganz Schreckliches mit Kikerikikikiki. Leute drehen sich um, ich falle vor Lachen fast hintenüber, T verzieht nicht die Miene. Musiker halt.

Auf dem Heimweg am Theater vorbei rempele ich fast einen Herrn an, der summend aus dem Hintereingang tritt. Was für eine Stimme, denke ich noch, dann sehe ich, das ist ja Wotan. Aus dem aktuellen Ring. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mal in einem Publikumsexperiment versucht habe, die Altstimme eines Meistersinger-Chorstücks mitzusingen; aussichtslos, selbst mit Noten. Was Wotan wohl für Ohrwürmer hat?

Zwei Tage später denke ich: verdammt, V, verdammt. Kikerikikikiki ...





Montag, 3. Dezember 2018

Wenn das nicht ist, dann ist irgendwas: den Kessel füllen. Im Handgelenk spüren, wann das Wasser reicht. Dann auf die kleine Platte, die so lärmt in letzter Zeit, aber das Wasser unerreicht schnell zum Kochen bringt. Derweil drei Handvoll Bohnen in die Kaffeemühle an der Wand; die habe ich aus dem kleinen Haushaltswarenladen an der Ketzerbach, die greise Besitzerin führte sechstausend Artikel und wußte, wo jeder einzelne stand. (Jetzt wird in dem Laden tätowiert und gepierct.) Beim Kurbeln dringt der erste Kaffeeduft an meine Nase. Das Mahlen dauert, bis das Wasser heiß ist; den Kessel rette ich vom Herd, bevor er pfeifen muß. Dann: die weiße, schöne Tasse. Oder die strengere blaue; manchmal die gerippte mit den Blumen. Der Keramikfilter klickt auf dem Tassenrand. Filterpapier hinein, das schmiegt sich schön; dann prasselt das Kaffeepulver und dann, daß es schäumt, das Wasser aus dem Wasserkessel in den Filter. In Ringen gießen, daß nichts trocken übrigbleibt. Wenn es genug ist, den Filter in die Spüle. Die heiße Tasse an den Tisch tragen, die Hände um sie schließen, die letzten Träume sichten, den Tag erwarten, der immer kommt, und immer früher als gedacht. Kaffee schmeckt, weil man weiß, wie er duftet, ein wenig enttäuschend, egal wie gut er ist.

 

Idee von Ulli im Café Weltenall.





Montag, 26. November 2018

Nix geworden: das Quittenbrot. Fest geworden erst nach Tagen; da hatte ich's schon in ein Glas gefüllt.

Immer wieder zu finden beim Herrn Zeilensturm.

Gut zu wissen für die Geduld: Yakshaving. Und Rubber Duck Debugging (vor allem, wenn man das Badeentchen spielt).

Ein Fortsetzungsroman bei Herrn Damals.

Und noch was Schönes: Verkehrsmittelkritiken, Splatter und Tierbabys beim Herrn Ackerbau. Manchmal kommen sie wieder.





Samstag, 24. November 2018

Die ganze Stadt voll mit Plakaten: Black Friday, Black Weekend, gar: Black Week. Mir ist schleierhaft, wieso man hier partout ein Konzept einführen will, das aus großen Gruppen von Menschen Reißer, Beißer und Plünderer macht; aber vielleicht lebe ich da wieder neben der üblichen Medienwelt.

Der Rest ist Weihnachten. Ganz neu deprimierend: die Riesenplastikkugeln vom Marktplatzweihnachtsbaum sind dieses Jahr mit Werbung bedruckt.

Plätzchenback- und Häkelpläne wider den Adventsüberdruß.

Nachts Schlaf von Niesen bis Niesen. Nicht so schön.





Mittwoch, 7. November 2018

Ich mag, wie am Abend mir Menschen auf dem Gehsteig entgegenkommen. Alterslos in der Straßenbeleuchtung, Mantel geöffnet, Tasche im Griff, im Widerschein des Telefons schwarze Augen und schwarze Lippen: Die frühe Dunkelheit hüllt jeden Flaneur, jede Büroheimkehrerin ein paar Schritte lang in Geheimnis.





Nächste Seite