Donnerstag, 10. September 2026

Krähen wehen in losen Verbänden über die Dächer, und für Momente scheint es wirklich so: ein Heer im Abenddämmer, gezaust und flattrig geflickt und weheklagend; doch dann lassen sich einzelne in die Böen fallen, andere kurven elegante Manöver, und da klingen die heiseren Stimmen schon wieder wie Lachen vom Himmel.

Am Telefon eine Frau, den Tränen nahe, ein Sturzbach von Entschuldigungen, und wie sie das mit zwei Kindern, beide nicht einfach, machen solle und dabei noch arbeiten, wie die Politik das gern sähe; und am liebsten würde ich ihr die Durchwahl zu ihrem Kanzler geben. So was macht mir sehr schlechte Laune.

Manchen Leuten wird ihre schlechte Laune noch den Kopf retten. T hat ein LLM ausprobiert: Es war so fröhlich und motivierend, daß er nach ein paar Wortwechseln dachte, du Arschloch, und auf weiteren Kontakt verzichtete.





Montag, 31. August 2026

Sie sollten nicht so ganz gehen, so daß etwas bleibt außer der Erinnerung und dem Vermissen.

Daß ich sagen könnte: diese Art, eine Braue hochzuziehen, oder: dieses Kichern, oder: diese Freude am Laufen im Regen, die habe ich von R geerbt.

R, du wirst so vielen fehlen. Möge dir die Erde leicht sein.





Samstag, 22. August 2026

Ich betrachte die Zugriffe und Referrer auf mein Blog ohne ernsthaftes Wissen; eher wie die Eingeweide eines Opfertiers.

Es werden jedenfalls mehr, seit ich auf Blogrolls stehe (danke! Ich mag Blogrolls. Irgendwann werde ich auch wieder eine Blogroll haben).

Was ich mir nicht erklären kann, sind die Zugriffe aus dem Osten und dem fernen Osten. (Ich schreibe nicht in mir fremden Zungen, behandle thematisch wenig Weltumspannendes, verlinke kaum und klicke nicht auf Links.) Haben das alle? Muß man was tun? Gibt es da überhaupt irgendwas zu verstehen?

Einstweilen mache ich mir simple Regeln: Referrer endend auf .com: Zähneputzen nicht vergessen. Referrer auf .cn: Strickprojekte anschlagen. Referrer auf .ru: Gartenarbeit. Am selben Tag .cn und .ru: Auto waschen oder Aktiengeschäfte tätigen.

Man hat ja gerne seine Welt in Ordnung.





Sonntag, 9. August 2026

Himmel blau, Gras gelb.

Der Wald ist trocken. Die oberste Schicht des Bodens, ein feinfädiges Wurzelgeflecht, hält den Tritten nicht mehr stand und löst sich zu Staub; überall am Hang sieht man: hier ist wer gerutscht.

Die Hitze setzt mir weniger zu als den Bäumen; ich kann mir ja Schatten suchen und kriege mein Wasser aus der Leitung, noch.

How do we sleep when our earth is burnin'?





Sonntag, 19. Juli 2026

Im Zug hält mir eine Frau ihr Handy quasi direkt unter die Nase, auf dem Bildschirm: Mundwinkel, Fotos von Mundwinkeln in jeder Beleuchtung, in endloser Prozession, jeder einzelne ein für sie personalisierter Vorwurf. Mundwinkel-Doomscrolling.

B, die Schöne mit dem weichen Herzen und den sanften Händen, kennt nichts als harte Entscheidungen vor lauter Gewissen, aber sie zögert keine Sekunde, einem die Rippen zu brechen, wenn es um sein Leben geht.

Er habe sich, sagt K, den Baum zeigen lassen, an dem sein alter Freund sich aufgehängt hat. Sonst wäre es in seiner Phantasie jeder einzelne des Waldes gewesen; nie wieder hätte er dort hingekonnt.

Und ich? Ich gehe eine Runde. Ein paar Kilometer Weg, Papier und Stift. Möge es helfen.





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