Freitag, 12. April 2019

Als in der unvertrauten Küche das Nudelwasser überkocht und ich, wie daheim, schnell den Regler runterdrehe, nutzt das nichts, denn das hier ist Elektro; es schäumt also und läuft einmal über den Herd, ehe ich den Topf von der Hitze gezogen habe, und brutzelt auch gleich an dem roten Fleck auf dem Ceranfeld fest. Herrje, Schweinerei, drum schnappe ich den Lappen von der Spüle, aufwischen, was noch flüssig ist, da klebt es erst und stinkt dann: ist der aus Plastik und brutzelt mit.

Mag Alltag das Gegenteil von interessant sein, so ist doch interessant zuweilen das Gegenteil von gut.

 

Zu einer Idee von Ulli (Café Weltenall).





Sonntag, 7. April 2019

Die schlimmste und die schönste Geschichte des Tages aber erzählt K, und es ist gut, daß der große Fluß dabei ist, denn ohne den wäre manches nicht auszuhalten.

Die schlimmste geht so: ein Video im Netz, gefilmt aus einem Auto am Straßenrand, zeigt, wie ein Viehtransporter ein Stück vom Schlachthof entfernt entladen wird; die Rinder müssen über eine Wiese getrieben werden und stolpern aus dem LKW, orientierungslos, manche verwundet, gar mit gebrochenen Beinen, geblendet vom ersten Mal Sonne. Zum ersten Mal Erde unter den Klauen, der erste Himmel und der erste Wind ihres Daseins: sie erleben gerade das Schönste, was sie je erleben durften, sie rufen, sie wittern, aber zum Grasrupfen läßt man ihnen keine Zeit, denn am anderen Ende der Wiese steht ja das Tor schon offen –

Die schönste Geschichte ist die von dem Kind, das mit anderthalb zum ersten Mal eine Amsel hört, die Erwachsenen zum Stehenbleiben zwingt und lauscht und lauscht, reglos vor Glück, und das dann für den Rest des Tages versucht, wie eine Amsel zu singen.

Ich vergesse beide Geschichten nicht und hoffe, wider alle Vernunft, daß die eine die andere irgendwie auflöst, daß die eine das Gegengift ist, daß sie das Kranke der anderen kurieren kann.





Mittwoch, 27. März 2019

Es gibt eine Petition. Vermutlich, um Herrn Scheuers Vorstellung vom "Menschenverstand" zu korrigieren.

Es ist das Internet; Kommentare besser nicht lesen.

Nachtrag: Auch ohne großen Wind in den Medien finden sich offenbar genügend Menschen, denen das Tempolimit am Herzen liegt – die fünfzigtausend Mitzeichner, die nötig sind, um die Sache vor den Petitionsausschuß zu bringen, kommen wohl zusammen. Noch knapp 2000 Stimmen in knapp drei Tagen.

Natürlich ist die Diskussion emotional. Die Argumente sind allerdings auf der Pro-Tempolimit-Seite besser; die Gegner pochen auf "Freiheit", "stimmt doch ganich" und "soll ich etwa im Schneckentempo von A nach B", aber das ist global betrachtet nun ernsthaft wurscht. Ich bin gespannt, ob die Politik wieder auf Durchzug schaltet und nur die Seite der Industrie hören will, wie beim Urheberrecht.

Es wäre an der Zeit für ein Tempolimit. Und dann: Autos überflüssig machen, nicht das bekannte Übel durch ein elektrisch betriebenes ersetzen.





Sonntag, 24. März 2019

Über den Marktplatz spaziert ein Elternpaar mit Hund. Eine alte Dame bleibt stehen, begrüßt den Hund, begrüßt das Paar: Ich habe gehört, Sie hätten Junge gekriegt! Das ist ja toll!
  Ein Mädchen, korrigiert die junge Mutter, ja, gerade vor zwei Wochen.
  Und wo sind sie denn? Bestimmt zuhause?
  Nein, wir haben sie dabei, sagt der Vater und öffnet ein wenig die Jacke über dem Tragetuch.
  Ach, so nimmt man die heute? Wie die Babys?
  Das ist unser Baby!
  Aaaaach! Das hatte ich falsch verstanden! Die alte Dame beugt sich hinunter zu dem Hund. Ich dachte, sie hätte Junge gekriegt!
  Oh, neinnein, das ist ein Rüde ...
(T und ich bemühen uns, keinen Kaffee zu verschütten.)

Auf dem Markt gibt es Primeln im Topf für einen Euro; bei den Fahrradständern neben dem Rathaus blüht ein Löwenzahn, gelb und ganz umsonst.

Endlich wieder Schatten werfen!





Freitag, 15. März 2019

Unter Schirmen, mit Schildern und Transparenten ziehen die Schüler durch die Stadt, hinter einem Polizeiwagen mit Blaulicht her. Die Fahnen im hinteren Teil stammen von Parteien und Organisationen; schön bunt. Weil ihr uns die Zukunft klaut!, und recht haben sie. Lang ist der Zug nicht, aber die gesamte Straßenbtreite nimmt er ein. Hinter dem letzten Transparent fährt ein weiterer Einsatzwagen; die Kolonne von Autos, Transportern, LKW, die hier zum Schrittempo gezwungen wird, ist ein Vielfaches so lang wie die gesamte Demo, ein Ende nicht abzusehen, und das scheint mir ein guter Witz.

Nun, bitte, weiter so. Pestet eure Eltern, wenn das nächste SUV zur Diskussion steht oder der Flug auf die Malediven (für euch wurde schließlich die Quengelware erfunden). Geht zu Fuß, nehmt das Rad. Erforscht die Zusammenhänge, eine andere Chance habt ihr nicht, und wählt, sowie ihr nur könnt.





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