Montag, 29. Juli 2019

Heute haben wir das, was die Erde in einem Jahr an Ressourcen hergibt, für dieses Jahr verbraucht.

 

Zu einer Idee von Ulli (Café Weltenall).





Samstag, 13. Juli 2019

Manchmal muß ich, von wegen schlechter Laune, gedanklich all das Blech aus der Stadt räumen. Wie viel Platz da wäre! Man könnte eine Reihe Bäume in jede Straße pflanzen, dann wär's auch gleich fünf Grad kühler. Ich finde, Autos sollten Angst vor mir haben. Entsprechend schwungvoll trete ich auf den Zebrastreifen, scheinbar ohne links und rechts zu schauen – die werden schon bremsen.

(Sollte ich trotzdem richtig alt werden, dann werde ich mit dem Rollator den Autos, die auf dem Gehsteig geparkt sind, den Lack zerkratzen.)





Mittwoch, 26. Juni 2019

Fenster und Türen geschlossen halten; das Licht löschen; schweigen, höchstens flüstern. Vielleicht meint sie dann, es sei keiner zuhaus. Kleidung: leichte oder keine.

Keinen Ventilator anmachen, keine Eiswürfel für den Kaffee bereiten. Das weckt nur falsche Erwartungen.

Alle Arbeit aufschieben, das Brüten, die heiße Wäsche, das Kochen sowieso. Dem Kühlschrank lauschen, wie er sich müht.

Umlaute tippen und is, und sich Pünktchen für Pünktchen zu Regenwölkchen denken bis zum Wolkenbruch.

Handstand machen, denn in Bodennähe bleibt der Kopf kühler. Aber sachte, daß es nicht zur Hirnschmelze kommt.





Donnerstag, 13. Juni 2019

In drei Tagen an zwei Flüssen gegangen. Einmal, weil es herrlich ist (und der Vollständigkeit halber); einmal, um einen Zug zu erreichen (und: weil’s geht.)

Den schönen Fluß umschnörkelt ein Zierweg, lauter Umwege, um nur ja keine Aussicht zu verpassen. Daß man das schneller haben könnte, wissen wir und gehen jede einzelne Schleife mit Andacht, denn auch das Nutzlose will erledigt sein. Wir müssen ja nicht; das ist Grund genug.

Tags drauf stehe ich am Dorfbahnhof, und die Bimmelbahn fährt nicht. Ich mag keine Stunde am Gleis warten, sondern nehme den Radweg flußaufwärts, glatt und eben und um diese Uhrzeit nicht mehr arg befahren, bis ins nächste Städtchen. Die Zeit ist knapp, darum bleibe ich an den schönsten Stellen nicht stehen, die Kamera bleibt in der Tasche. Trotzdem lasse ich im Gehen alle Eile hinter mir, die Landschaft rückt nah und näher mit Burgen, Weinbergen, Weidenschatten, Nachtigall und den Düften des Sommers; ein Frachtkahn überholt mich einen Kilometer lang. Als ich den Bahnhof erreiche, fühle ich mich prächtig. Es macht nichts, daß auch der nächste Zug ausfällt.

Gehen können, gehen dürfen, gar beides zugleich: großes Glück.





Montag, 10. Juni 2019

M nennt es den Schlüssellocheffekt, das Gefühl, ganz nah dran gelassen, zum Mitwisser, zum Vertrauten zu werden, und schwups, ist man verliebt. – Mir ist das schon passiert. Es war schön, und eine Enttäuschung ist mir erspart geblieben; trotzdem: einmal, nie wieder. Man wird ja auch älter.

Wenn ich von mir auf andere schließen sollte: Namen, Daten, Orte – die Hälfte verschweige ich, und mit dem, was ich von der anderen Hälfte nicht im Unklaren lasse, bin ich erst zufrieden, wenn es meine Lebensumstände nicht preisgibt. Der Kern aber, die Geschichte, die muß stimmen; wo’s mir wichtig ist, bin ich streng. Entsprechend erwarte ich nichts sonst von Blogs, anders als im echten Leben.

Ich lese am liebsten solche, die nichts wollen. Aufzeichnung, Erinnerung, Klärung: aber ja!, Ab- und Zuneigung: gerne; Anliegen: von mir aus; Mission, Propaganda, Werbung: nein danke.

(Beim großen Skandal von Kleinbloggersdorf kann ich im übrigen nicht mitreden.)





Nächste Seite