Der Beinah-doch-nicht-Preisträger (wegen falschen Zitierens) fällt etwas ab im Vergleich mit den letzten, dem Sympathiebolzen und der Sprachwandlerin; die Veranstaltung hat was latent Beleidigtes. T und ich bleiben nicht lang.

Aber, sagt T auf dem Weg zur nächsten Weinstube, das berühmteste Wort des Preis-Paten in der Rede falsch zu zitieren – nix gelernt …! Ich stutze. Ich hatte gedacht, ich hätte mich verhört, aber er hat tatsächlich –? Einfach ein -s weggelassen? Eine Pro-Europa-Aussage draus gemacht? Das, sage ich, wäre wirklich großartig getrollt vom Preisträger. Trollkönigsklasse.

Leider weiß man’s nicht genau, man hat’s ja bloß gehört.





T würde gern umziehen. Seit Jahren ist er Mieter einer winzigen Wohnung unterm Dach, in einer Seitenstraße ohne Attraktionen. Die Wohnung hat ihre Macken, und der Paketbote steigt selten in den sechsten Stock. Dafür lebt und arbeitet T mitten in der Stadt.

Nun hat der Vermieter die Miete erhöht, einfach weil er es kann. Zugige Fenster, unzuverlässige Heizung, egal. T liest also jetzt den Immobilienteil der Tageszeitung und hört sich um.

Es sieht nicht gut aus. Mieten ab elf Euro pro Quadratmeter, kalt, an den Ausfallstraßen. T kann als Schriftsteller von seiner Arbeit leben; eine Wohnung in der Stadt jedoch gehört inzwischen, scheint's, zu den großen Sprüngen.

Was nun? Aufs Land ziehen, ein Auto anschaffen? Keine Läden mehr, kein Theater, jedes Treffen planen? Oder aber für eine Bruchbude immer mehr Miete zahlen?

Ich wüßte gern, was die Stadt eigentlich für Bewohner haben möchte.





Gut, daß ich den schwarzen Schal angeschafft habe.

Ich mag Dorfbeerdigungen, auch wenn ich sie natürlich immer von außen betrachte, lieber als das verlegene Hüsteln, das eilige Auseinanderstreben in der Stadt. Ich bekomme, wie viele andere, keinen Platz mehr in der Kapelle; auf der Rückfahrt riecht es im Auto nach Erde, und das gefällt mir dann auch sehr.

Wenn das Jahr mit einem Begräbnis anfängt, kann's wohl nur besser werden.





Die ganze Stadt voll mit Plakaten: Black Friday, Black Weekend, gar: Black Week. Mir ist schleierhaft, wieso man hier partout ein Konzept einführen will, das aus großen Gruppen von Menschen Reißer, Beißer und Plünderer macht; aber vielleicht lebe ich da wieder neben der üblichen Medienwelt.

Der Rest ist Weihnachten. Ganz neu deprimierend: die Riesenplastikkugeln vom Marktplatzweihnachtsbaum sind dieses Jahr mit Werbung bedruckt.

Plätzchenback- und Häkelpläne wider den Adventsüberdruß.

Nachts Schlaf von Niesen bis Niesen. Nicht so schön.





Die Erde neigt sich, und es wird finster für uns hier auf der Nordhalbkugel. Kleines Licht in der Frühe, Wolle über Wolle. Ich mag den Wechsel. Daß ich in den Nächten mal nicht schlafen konnte vor Hitze, das muß hundert Jahre her sein.

 

Der Herbst hat eine freundlichere Schönheit als der Frühling, sagt B. Im Frühling ist es: Aufbruch! Blüte! Alles neu! Und im Herbst ist es: Laß los, wir haben es geschafft.

 

Morgen wählen sie in den USA, und es stört mich, daß ich mir darüber Gedanken machen muß.

 

Die Ausstellung im Ruhr-Museum gewinnt gegen kleines Fieber und Regen: Fotografien von A. Renger-Patzsch. Schwarzweiß, ganz wunderbar, vor allem die vom Ruhrgebiet Anfang des letzten Jahrhunderts. Mietskasernen mit Kohlgärten, Bergmannswäsche im ewigen Dunst. Ganz ohne störende Autos, immerhin.

(Bloß das Anlegen, das klappt besser bei MKS.)