Montag, 23. September 2019

Um elf muß ich arbeiten, kein Pardon. Aber nach Mittag, am Bahnhof treffe ich M, und zusammen gehen wir uns das letzte Ende des Klimastreiks anschauen: bunte Buden, Musik, sehr junge Leute, die auf einer Bühne sehr vernünftige Sachen sagen. M war schon auf der großen Demo, Stunden habe es gedauert, bis man überhaupt loskonnte, so viele Menschen. Es ist halt wichtig.

Im Zug nach Hause verschlägt es uns in Hörweite eines angetrunkenen Trupps von Jungmännern; der Lauteste fantasiert Bomben auf die Klimademonstranten, rühmt sich seines geilen dicken Autos und ebensolcher Eier, und die Greta, die würde er mal durchficken. M und ich schämen uns fremd. Bei Facebook gibt’s das dann wohl schriftlich, die verwaschene Aussprache abgebildet in Rechtschreibung. Es fällt mir enorm schwer zu glauben, daß die im echten Leben aber doch ganz nett sind.

Ich denke noch eine ganze Weile darüber nach. Daß ich nicht sehr schlechte Laune bekommen habe, liegt an M, dem Klugen, mit dem ein Blick zur Verständigung reicht und mit dem sich Trotz und Verzweiflung in einen Witz ummünzen lassen. M lebt kompliziert, erträgt Menschenmengen kaum und verabscheut alles Laute, aber er ist tatsächlich hergekommen; das reicht mir zu Gelassenheit.

Für den Moment zumindest.





Samstag, 21. September 2019

Ach, hört doch auf mit eurem: wird alles weitergehen wie bisher. Wird es nicht; darf es gar nicht. Nun macht eure Arbeit und sorgt dafür, daß es die tragen müssen, die es leisten können.

Herrschaftszeiten.





Freitag, 30. August 2019

... bitte hier entlang.





Sonntag, 25. August 2019

Ach, es ist nichts mit dem Schreiben gerade, den kleinen Geschichten ist die Dringlichkeit abhanden gekommen vor lauter: und nun?

Da brennt die Lunge der Erde, ein paar indigene Völker werden gleich mit beseitigt; die Verantwortlichen versprechen sich gute Geschäfte. Hierzulande möchte man Menschen mit unbrauchbarer Lunge kasernieren; den Kassen bringe dies erhebliche Minderausgaben in einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag (sic). Wie eine Gesellschaft mit ihren schwächsten Gliedern verfährt, bestimmen Gier und Geiz.

Der betrunkene Obdachlose, der drei jungen Schwarzen hinterhergrölte, sie sollten abhauen, sie hätten bei uns nichts verloren: H. kommentierte, Arschlöcher gebe es halt überall; aber ist das so einfach?

Wir alle haben in den Kellern unserer Seele das Kleinkind, das brüllt und mit dem Fuß aufstampft. Wir haben da den Spießer, für den sonnenklar ist, wer was verdient und was nicht, und auch den Steinzeitmenschen, der auf alles eindrischt, was ihm unheimlich erscheint.

Kennen muß man sie, natürlich. Was aber sind das für Zeiten, wo wir unserem unterirdischen Personal Freilauf geben, und zunehmend ungeniert?





Mittwoch, 31. Juli 2019

Der Schlaf, der Traum. Der Tod.

Nicht die Zuneigung, aber die Liebe. Das Mitleid nicht, aber die Barmherzigkeit.

Wenn nicht die Kunst, so doch ihre Auffassung.

Nicht das Streben und nicht das Scheitern, doch das Gelächter.

Das Immer-wieder-Aufstehen. Das Tun aus Freude.

Das Gewissen. Die Schwäche.

Das Dennoch. Das Nein, danke.





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