Sonntag, 16. April 2017

Mitten in der Nacht weckt mich ein Glockenton, tief und tragend, und gleich fallen andere ein: die Kirchen der Stadt erheben ihre bronzenen Stimmen. Martinus, Beatrix und Lioba, Heiliggeist, Elisabeth, Albertus und Dreifaltigkeit, Alexander, Prosper und Franz Xaver, Judas Thaddäus, Willigis und Bonifaz, Magdalene, Quintin und immer wieder: Maria, Maria, Maria, und das Lumpenglöckchen läutet den Diskant dazu.

Jubel füllt die Dunkelheit, Christ ist erstanden, das Fasten vorbei; ich drehe mich um und schlafe zu freundlichen Träumen wieder ein.

Es ist schon hell, da werde ich von hohen Stimmen wach. Lachen, Rufe, Geschrei, dazwischen mahnende Worte Erwachsener: Leon! Mia! Amy-Sofie, laß die anderen auch! – Ostereiersuchen im Hinterhof.





Samstag, 15. April 2017

Das eigene Gewicht in Haferbrei, und draußen Regen.

Endlich, endlich fertig: das Erbstück, das Wahnsinnsprojekt. Jetzt ist es aus meinen Händen, sehr anständig ist es geworden, C. hätte es gefallen. Und es wird, wie's aussieht, noch zur rechten Zeit erscheinen. Einen Blumenstrauß habe ich dafür bekommen. Und ich besitze jetzt die Blaupause für Sammelbände nach Belieben; ich fürchte mich schon.

Jetzt: zwei Tage schlafen, bitte. Oh, und Rindfleischsalat, aus dem Zwerchfell; das wäre schön.





Mittwoch, 12. April 2017

Im Traum rammt Enoch zu Guttenberg den Taktstock in meinen Bauch und zwirbelt mir energisch die Eingeweide auf. Ich kenne den Mann gar nicht, aber er macht mir zum Schlaf den Schmerz plausibel.

Bei Tag schickt man mich ins Krankenhaus und ordnet, weil: "ist nichts" gibt's nicht, Untersuchung nach Untersuchung an.

Es ist etwas Seltsames mit der Zeit in Krankenhäusern. Alle, die hier arbeiten, hasten mit wehenden Kitteln auf raschen Gummisohlen, alle Insassen, ob krank oder man weiß es nicht, wie ich, sitzen und schlurfen auf den Gängen herum, grad so ohne festzuwachsen. "Gleich" ist hier ein dehnbarer Begriff. Die Frau Doktor kommt gleich, zwei Stunden später stürmt sie zur Tür herein; sagt: ich muß Ihren Befund holen, bin gleich zurück, und die Bäume unten an der Straße werden grün darüber.

Ich werde ("man könnte noch") für eine Untersuchung "schnell dazwischengeschoben" und schlurfe, meine Akte unterm Arm, treppauf, treppab durch die Gebäude; an der Anmeldung fragen sie, ob ich geflogen sei. Dann sitze ich noch knapp zwei Stunden in einem und ("gleich") eine halbe in einem anderen Wartezimmer. Die Untersuchung wird gemacht, aber der Spezialist zum Auswerten ist erst morgen wieder da.

So bleibe ich ("es könnte ja") auf Station. Hinter der Fensterscheibe färbt der Himmel sich und beschlägt mit Nacht, die Sterne sind einer nach dem anderen plötzlich da, ohne daß ich gesehen hätte, wie. Die Aussicht hier ist besser als daheim.

Das Essen nicht. Am nächsten Morgen, als (schon Stunden in den Tag) auch der Spezialist nichts finden konnte, will ich nach Hause. Man könnte noch, sagt die Ärztin, aber, danke, nein. Kommen Sie wieder, wenn noch etwas ist, und ich würde es wirklich tun.

Gegen Abend endlich bin ich wieder, wo die Zeit nicht klebt wie Leim. Aus den großen Boxen Clicks & Cuts, wie eine verklärte Erinnerung ans MRT.





Montag, 3. April 2017

Felle, davonschwimmend; säckeweis Flöhe zum Hüten, alles unter einen Hut, und noch gute Miene dazu. Sicher, vieles behält man besser für sich, aber was macht man dann damit?

Unmäßig traurig bin ich, als ich den kleinen Kirschbaum, der Jahr für Jahr im Hintergarten so tapfer geblüht hat, verdorrt vorfinde. Unmäßig ärgerlich über all das Plastik, wo es auch eine Papiertüte getan hätte.

Aufhörn zu jammern, mal.





Samstag, 25. März 2017

Frisch und blau das Wochenende. In der Luft liegt Übermut, Finken schmettern in den Platanen, auf dem Kopfsteinpflaster paaren sich die Tauben.

Hübsch klingt: Roggen-Vollkorn-Grobschrotbrot. Unschöne Vorstellung: Kinder-Isolierflasche. Der Metzger hat die Haare ab und wiegt, bester Laune, seine Waren großzügig aus. Seine Kunden kaufen, ach, was soll's, das kommt schon weg.

Beim Kaffee krümele ich ungebührlich mit Marmorkuchen. Die Schwerkraft ißt mit, entschuldige ich mich bei T., der meint: Die will eben auch ihr Gewicht halten.

Die Leute tragen Töpfchen durch die Stadt mit Primeln, Narzisselchen oder Hyazinthen. Das lasse ich lieber, ich will den Frühling ja nicht gleich wieder um die Ecke bringen.





Nächste Seite