Aus Eichelhähern läßt sich eine schmackhafte Suppe zubereiten, überhaupt aus Krähenvögeln. Das erzählt in schwärmerischem Ton Herr B., der auch weiß, wie man an Krähen kommt: Man benötigt eine Lichtung oder andere freie Fläche und, in einem möglichst transparenten Käfig, der fürs erste in einem Sack steckt, einen Uhu. Den stellt man gut sichtbar auf, entfernt den Sack und geht in Deckung. Die Krähen sammeln sich bald und fliegen Angriffe gegen den vermeintlichen Eindringling. Jetzt, sagt Herr B., muß man nur noch geschickt mit der Zwille sein. Wie man das macht, verrät er ebensowenig, wie woher den Uhu nehmen.





H. war in Spanien, hat die Alhambra besucht, und was hat er mir mitgebracht?

In einem der ummauerten Höfe habe eine Fledermaus gelegen, ganz mittig und schwarz auf dem hellen Stein habe sie gelegen wie ein kaputter Regenschirm und geflattert, Atem geschöpft, geflattert, immer wieder.

Er habe sich gefragt, ob Katzen in diesen Innenhof finden, oder ob für so was morgens vor Öffnungszeit ein Mitarbeiter eine Hakenstange durch die Festung trägt.





Die Jungs drängeln sich um die strahlenden Vitrinen voller Schädel- und anderer Fragmente, tuschelnd, aufmerksam: mitternachts im Museum, großartig, selbst wenn's nicht verboten ist, kein Versehen und man nicht allein. Eben beugen sie sich über eine abstrakte Ritzzeichnung, Silhouetten aus Schlangenlinien, Leiber aus Brüsten und Hintern, sorgfältig schraffiert.

Einer liest vor: ... vier Frauen und ein Kind in einer Kiepe – was immer eine Kiepe ist – ah, das da, was dazwischen schwebt, das Kind?
– Wo sind denn da Frauen, fragt ein anderer.
– Na, da! Gehen nach rechts, hintereinander.
– Ach, jetzt –. Von der Seite.
– Und auch wieder keine Arme, keine Beine, keine Köpfe ...
– Kraß, sagt der erste, ich meine, da saß einer im Kämmerlein, nee, in der Höhle, und hat sich darauf einen runtergeholt.

Anders gern hatte ich das unwillkürliche Ächzen im Zuschauerraum, als der Bürgermeisterdarsteller Ende zweiten Akts sich die Kleider vom Leib reißt, auch die Unterhose. Ganz viele Schulklassen im Publikum. Als er sich splitternackt ans Klavier setzt, kicherten sie dann schon, aber mehr so pro forma.

Sommer, noch nicht ganz verschwitzt.





Eine Handvoll Dunkles aufgeklaubt, wie's durch den Stuhlbeinwald auf dem Trottoir sich schleppt: zweidrittel Gefieder, ein Herz, das schier zerreißt vor Fliegenwollen, zwischen meinen Fingern kaum mehr als bebende Luft. Entschieden nicht von hier. Die Kellnerin mit ihrem Pappkarton und dem Telefon am Ohr meint es nur gut, doch die schwarzen Falkenaugen des Seglers können nichts anderes als Ferne und Insekten.





So wenig Wege, daß ich bald keine Wurzeln mehr spüre. Nur Erinnerung.

Wie ich in einem weißdorngesäumten Waldstück einer Singdrossel nachpfiff, die fantastische Melodien sang, süß und voller Sprünge; wie ich dann versuchte, ihr was vorzupfeifen, aber sie verstummte plötzlich und flog davon. Vermutlich gehört mir jetzt ein Vogelrevier in den Hunsrückhöhen.

Das letzte Mal, als ich bei wolkenlosem Wetter nach oben schaute und alles voller winziger Schatten sah, leuchtend umrissen, ein einziges Flimmern und Wimmeln, das bei jeder Augenbewegung mitzuckte. Mouches volantes: wenn blauer Himmel einfach nicht mehr so erfreut wie früher mal.