Um kurz nach sechs, beim Kaffeekochen, ist mir der Tag schon verdorben: im Innenhof wird am Wilden Wein gerissen, der dieses Jahr endlich für eine Wiese hätte durchgehen können. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt: ein Berg glänzenden Blattwerks liegt am Boden, Strang um Strang fällt dazu. Die Mauern stehen nackt und häßlich. Nichts ist übrig von meinem Gartenersatz. Das wird ein heißer Sommer für den Hof.

Ein paar Stunden später, ich habe dem Hausmeister eine böse Mail geschrieben, ist immer noch nicht Ruhe. Es zetert und klagt ohne Pause: die Kohlmeisen, die in der Pflanze genistet haben müssen, sind auf der Suche nach, ja, was?

Ich schleppe heute einen schwarzen Fels mit mir herum. Es gibt bitter wenig Grün in der Stadt; wieso dann das Wenige ausreißen? Und dabei noch Vogelnester zerstören? Es kümmert sich sonst keiner darum, wie das Haus aussieht, aber wilder Wein, das geht offenbar nicht. Armselig ist das. Wessen Vorstellung von "schön" wurde da umgesetzt?

Daß es solche Menschen gibt! Die sich über so Vitales beschweren; aber auch solche, die dann auf Kommando Schluß machen mit dem Leben. Im Juni. Nicht mal bis September warten konnten sie.

Ich hätte nicht übel Lust, sie dafür anzuzeigen.






Oh nein! Ob es dem Gemäuer schadet? Keine Ahnung, aber mir würde es jedenfalls genau gleich gehen wie dir.
Mir tut es ja schon weh, wenn ich die Hecke vor meinem Gärtchen ein bisschen zurückschneiden muss um noch vorbei zu kommen.
Gut, dass du nachhakst!


Wenn's dem Gemäuer schadet, dann sollen sie was tun – aber doch keinen Kahlschlag in der Brutzeit! (Die häßlichen Wände haben sogar profitiert von der schmucken Pflanze, und kühler war's obendrein, aber das ist nur meine Meinung.)
Macht mich ganz fertig, so was.


Und keine Information von der Hausverwaltung? Ich habe hier Glück: der Hausmeister und ein Mieter begrünen den Innenhof liebevoll (und ich bin nicht einmal sicher, ob ihnen jemand die Pflanzen und die Töpfe bezahlt).


Information? Öche, öche. Hier passiert normalerweise nur was, wenn es Beschwerden gibt; ansonsten sind die Wege der Entscheidungen undurchsichtig. (So einen Hausmeister hätte ich auch gern.)


Wilder Wein (Parthenocissus sp.) schadet (im Gegensatz zum Efeu) dem Gemäuer (oder Installationen) nicht.

Abgesehen von der Ästhetik, den Vögeln und dem Klimamempfinden ist der Wilde Wein auch eine wichtige Bienenweide im Spätsommer, wenn sonst nur noch wenig blüht.


Das hatte ich so im Kopf: Wein läßt die Mauer unangekratzt, Efeu kriegt sie klein. Und das mit der Bienenweide wußte ich nicht. Danke.


ich fühle mit Ihnen! Entsetzlich. Manchmal möchte man einfach schreien.


Es ist global betrachtet nur eine kleine Sache. Aber daß nicht mal bei den kleinen Sachen mit Hirn und Herz entschieden wird, macht mich fassungslos.


wenn sie wirklich kämpfen wollen: es gibt gesetzliche schonzeiten für brütende vögel irgendwie im sommer, in denen man nicht schneiden darf; ihre umweltbehörde hilft ggf. weiter.


Mit denen hatte ich schon Kontakt. Das hilft den Meisen leider nicht mehr; wenn ich vorher Beschied gesagt hätte, dann hätten sie jemanden schicken können.
Wenn ich den Hausmeister das nächste Mal erwische, dann frage ich ihn, was er sich dabei gedacht hat.