T hatte eine Dorfkindheit, sieben Jahre und sieben Kilometer entfernt; was er erzählt: kenn ich.

Wie gern er, noch kein Schulkind, Brot gekauft hat, weil's so gut roch in der Bäckerei; und wie ihn immer irgendjemand fragte: wem bisch du dann?, und, wenn er brav antwortete, ach, es Langmanns ihrs!, dabei hieß er gar nicht Langmann und auch seine Familie nicht. Langmann war der Mädchenname seiner Mutter gewesen. Der Vater, von überm Fluß her zugezogen und evangelisch!, hieß im Dorf: Langmanns Annelies ihr Mann.

Als dieser früh starb, wurde er auf dem Friedhof mitten im Ort begraben, und zwar – das begriff T erst später – da, wo die ungetauften Kinder und die Selbstmörder lagen. Die Familie rächte sich und stellte einen Grabstein auf, der ganz und gar nicht der Tradition im Ort und auch nicht dem Regularium der Friedhofsverwaltung entsprach; aber wer hätte Langmanns Annelies das abschlagen wollen?

T zog, sobald er konnte, in die übernächste Stadt. Heute fährt er nur noch ins Dorf, um beim Grab nach dem Rechten zu sehen.






Ich war viele Jahre lang "dem Gertrud sins". Oder: du bist so dunkel, du musst von Leberts sein. Leberts hießen übrigens nicht Lebert, aber das wäre eine lange Dorfgeschichte. Was mich wiederum an deutsche Sinti erinnert, die fragen: Von welchen Leuten bist Du?


Interessant! (Doch, ich mag solche Geschichten.)

Die Methoden eines Dorfes, ungastlich zu sein und sehr feine Nuancen dabei auszudrücken, erstaunen mich immer wieder. Ich habe keinen Grund anzunehmen, daß das heute anders ist.


In meinem Fall wollte man nicht ungastlich sein, glaube ich. Ich sehe eher ein Bedürfnis, Menschen in ein bestehendes Gefüge einzuordnen. "Leberts" waren seit dem Mittelalter dort ansässig, und wohl nach Einheirat diverser südfranzösischer Hugenottinnen überwiegend brünett geworden.


bei uns fragte man: wem kerschn ( (zu) wem gehörst denn du?. Mein Vater, aus dem ziemlich verhassten, aber noch konfessionsgleichen Nachbardorf, ruht im Familiengrab.


Die Dorffeindschaften von damals (TM) waren ja Legende. Die Zeiten der ganz großen Prügeleien waren in meiner Kindheit schon vorbei, aber die Geschichten hab ich noch alle gehört.


Meine Mutter (als jüngstes Kind einer Kriegswitwe und die dann auch noch zur evangelischen Minderheit zählend ohnehin nicht gerade mit dem besten Stand ausgestattet) konnte punkten als sie bezüglich ihres Verlobten die obligatorische Frage "Is hä dann au katolsk?" mit ja beantworten konnte. Vermutlich hat das sogar kompensiert daß es "nur" ein Flüchtling war.


Interessant, das klingt nach Norddeutschland …? Katholische Enklave?