Am Hang war er licht, knorrige, niedrige Eichen und ein Geruch nach Sonne und wildem Oregano; als Kind dachte ich, Südfrankreich ist genau wie hier. Eidechsenfelsen: Kartäusernelken als Funken überm Staub der Wege, Blindschleichen, seltene Schmetterlinge und der Diptam, der süß duftet und, so heißt es, sich an heißen Tagen ganz von selbst entzündet.
Auf dem Hügel war er dann die grüne Krone: Buchen, Nadelbaumversuche und alte Eßkastanien, ein wenig zerfleddert alles, aber kühl. Dreht man sich um, fliegt das Auge wie ein Bussard über Weinhänge und Äcker, in jede Richtung hundert Wanderpläne.
Der Blick wird bleiben, aber der Wald, der Wald brennt, seit Tagen nun schon: Kulisse und Komm-wir-gehen-eine-Runde-raus-Gebiet, Schulausflugsland, Wurzel- und Erinnerungsgrund – alles Rauch und Asche.
Mir geht es wie vielen: Ich habe einen Platz in der Welt verloren, einen alten Freund. Einmal mehr.
Je älter wir werden, desto mehr Verluste tragen wir in uns. Egal ob Menschen, Tiere oder Wälder, weh tut es immer wie beim ersten Verlust. Danke fürs Aufschreiben.
Frau Amsel schrieb mir: Menschen, Häuser, Straßenzüge, das wußte sie; aber nun noch Wälder ...
Ich denke: das Klima, das ich kannte, das gibt es nun auch nicht mehr.