In jeder der städtischen Wildnisse, die ich kenne, blüht es, weiß, violett und übergelb, alles, nur keine Herbstfarben. Die Jahreszeiten sind aus dem Tritt: die Innenstadtvögel schleppen Nistmaterial, morgens klingen Reviergesänge; aber ich weiß: auf den Herbst, und sei er auch noch so mild, folgt der Winter.
Es ist tragisch, wie Programme, die sich in Jahrmillionen entwickelt haben, plötzlich ins Leere laufen, antwortet M.
Was mir zu schaffen macht, ist, in einer Welt zu leben, in der bemalte Leinwände höheren Schutz genießen als die Biosphäre. Daß die Mehrheit der jungen Menschen immer noch so brav mitspielt.
Ich bin für ein Säugetier bemerkenswert alt.
Allenthalben heißt es, wir wollen, sollten endlich, müssen das #Klima_retten; dabei geht es doch eigentlich um unsere eigene Rettung: Die am Ast sägen, auf dem sie sitzen, rufen zur #Baumerhaltung auf.
Samstags auf dem Markt wird ein Huhn gekauft, leider immer schon ausgenommen, aber zwoeinhalb Kilo doch. Sonntag kommt es, ohne Rückgrat, gesalzen und plattgeklopft, in den Backofen, nach unten offen auf dem Rost. Im Fett, das heraustropft, garen auf dem Blech darunter Kartoffeln und Gemüse. Das ist Tag 1.
Die Reste – Brust, Rücken, Flügel – wandern in den Kühlschrank; dito Knochen, Häute, Sehnen, jeder Tropfen Fett. Aus denen und geschnetzeltem Suppengemüse wird am Montag eine Brühe gekocht: drei Stunden kleine Hitze, abgießen, fertig, drei große Gläser voll. Huhn- und Gemüsereste, paar Pilze noch, Wein, vielleicht Sahne, aber sicher zwei Eigelb werden mit einem davon eine Sorte Frikassee: Tag 2.
Was davon bleibt, ist Dienstag, vielleicht Mittwoch noch mit frischem Gemüse eine dicke Suppe – Tag 3 und Tag 4.
Freitag dann gibt es Risotto, mit Weißwein, geriebenem Käse, Butter und Hühnerfond: Tag 5 ist noch einmal besonders luxuriös.
An den zwei übrigen Tagen kann man dann über den Zustand der Welt nachdenken.
Meinen gewisperten Namen als Hilferuf verstehen und mich auf die Bettkante setzen ist eins, noch ehe ich wach bin. Was ich tun kann, ist wenig: Hand halten. Irgendwas sagen. Bis der Herzschlag ruhiger geht, bis die Nacht wieder Nacht ist und nicht mehr Fels auf der Brust.
Wie schmal der Grat ist; und wie mächtig eine Berührung. Trost und Betrübnis in einem.
Es geht ja nicht um vier Jahre.
Mir sind die Versprechen, daß es für alle super wird und keiner auf irgendwas verzichten muß, so widerwärtig. Das hat noch nie gestimmt. Neu wäre eine Politik, die es nicht die Schwächsten ausbaden läßt.
Überhaupt, Klimakrise: Da drücken wir die Hand unserer eigenen Kinder auf die immer heißere Herdplatte und zucken die Achseln: also, ich merk nix.
Aus gegebenem Anlaß: das ist nicht alt geworden, leider.
Was bist du dieses Jahr? Sargträgerin??
Nein. Wahlhelferin bin ich dieses Jahr; fühlt sich aber gerade genauso an.