Krähen wehen in losen Verbänden über die Dächer, und für Momente scheint es wirklich so: das Heer im Abenddämmer, flattrig geflickt und weheklagend; doch dann lassen sich einzelne in die Böen fallen, andere kurven elegante Manöver, und da klingen die heiseren Stimmen schon wieder wie Lachen vom Himmel.

Am Telefon eine Frau, den Tränen nahe, ein Sturzbach von Entschuldigungen, und wie sie das mit zwei Kindern, beide nicht einfach, machen solle und dabei noch arbeiten, wie die Politik das gern sähe; und am liebsten würde ich ihr die Durchwahl ihres Kanzlers geben. So was macht mir sehr schlechte Laune.

Manchen Leuten wird ihre schlechte Laune noch den Kopf retten. T hat für die Arbeit ein LLM ausprobiert: Es war so fröhlich und motivierend, daß er nach ein paar Wortwechseln dachte, du Arschloch, und auf weiteren Kontakt verzichtete.





Sie sollten nicht so ganz gehen, so daß etwas bleibt außer der Erinnerung und dem Vermissen.

Daß ich sagen könnte: diese Art, eine Braue hochzuziehen, oder: dieses Kichern, oder: diese Freude am Laufen im Regen, die habe ich von R geerbt.

R, du wirst so vielen fehlen. Möge dir die Erde leicht sein.





Himmel blau, Gras gelb.

Der Wald ist trocken. Die oberste Schicht des Bodens, ein feinfädiges Wurzelgeflecht, hält den Tritten nicht mehr stand und löst sich zu Staub; überall am Hang sieht man: hier ist wer gerutscht.

Die Hitze setzt mir weniger zu als den Bäumen; ich kann mir ja Schatten suchen und kriege mein Wasser aus der Leitung, noch.

How do we sleep when our earth is burnin'?





Eine Herde Wolkenschafe zieht am oberen Rand meines Fensters übers Blau, gescheucht von ausgelassenen Mauerseglern. Einer der milderen Sommertage betritt die Stadt.

Ich habe vieles vernachlässigt, aber mich in eine Sache so gründlich hineingedacht, daß ich nun suchen muß, wie ich da wieder herausfinde. Ich bin noch nicht sicher, ob das gut ist oder schlecht.

Die Mauersegler unterm Dach; Briefe; Geld, das mir nicht gehört; ein aufgeschlagenes Knie, wie als Kind.

Fallen kann ich noch!





Am Hang war er licht, knorrige, niedrige Eichen und ein Geruch nach Sonne und wildem Oregano; als Kind dachte ich, Südfrankreich ist genau wie hier. Eidechsenfelsen: Kartäusernelken als Funken überm Staub der Wege, Blindschleichen, seltene Schmetterlinge und der Diptam, der süß duftet und, so heißt es, sich an heißen Tagen ganz von selbst entzündet.

Auf dem Hügel war er dann die grüne Krone: Buchen, Nadelbaumversuche und alte Eßkastanien, ein wenig zerfleddert alles, aber kühl. Dreht man sich um, fliegt das Auge wie ein Bussard über Weinhänge und Äcker, in jede Richtung hundert Wanderpläne.

Der Blick wird bleiben, aber der Wald, der Wald brennt, seit Tagen nun schon: Kulisse und Komm-wir-gehen-eine-Runde-raus-Gebiet, Schulausflugsland, Wurzel- und Erinnerungsgrund – alles Rauch und Asche.

Mir geht es wie vielen: Ich habe einen Platz in der Welt verloren, einen alten Freund. Einmal mehr.