H. war in Spanien, hat die Alhambra besucht, und was hat er mir mitgebracht?
In einem der ummauerten Höfe habe eine Fledermaus gelegen, ganz mittig und schwarz auf dem hellen Stein habe sie gelegen wie ein kaputter Regenschirm und geflattert, Atem geschöpft, geflattert, immer wieder.
Er habe sich gefragt, ob Katzen in diesen Innenhof finden, oder ob für so was morgens vor Öffnungszeit ein Mitarbeiter eine Hakenstange durch die Festung trägt.
Die Jungs drängeln sich um die strahlenden Vitrinen voller Schädel- und anderer Fragmente, tuschelnd, aufmerksam: mitternachts im Museum, großartig, selbst wenn's nicht verboten ist, kein Versehen und man nicht allein. Eben beugen sie sich über eine abstrakte Ritzzeichnung, Silhouetten aus Schlangenlinien, Leiber aus Brüsten und Hintern, sorgfältig schraffiert.
Einer liest vor: ... vier Frauen und ein Kind in einer Kiepe – was immer eine Kiepe ist – ah, das da, was dazwischen schwebt, das Kind? – Wo sind denn da Frauen, fragt ein anderer. – Na, da! Gehen nach rechts, hintereinander. – Ach, jetzt –. Von der Seite. – Und auch wieder keine Arme, keine Beine, keine Köpfe ... – Kraß, sagt der erste, ich meine, da saß einer im Kämmerlein, nee, in der Höhle, und hat sich darauf einen runtergeholt.
Anders gern hatte ich das unwillkürliche Ächzen im Zuschauerraum, als der Bürgermeisterdarsteller Ende zweiten Akts sich die Kleider vom Leib reißt, auch die Unterhose. Ganz viele Schulklassen im Publikum. Als er sich splitternackt ans Klavier setzt, kicherten sie dann schon, aber mehr so pro forma.
Sommer, noch nicht ganz verschwitzt.
Eine Handvoll Dunkles aufgeklaubt, wie's durch den Stuhlbeinwald auf dem Trottoir sich schleppt: zweidrittel Gefieder, ein Herz, das schier zerreißt vor Fliegenwollen, zwischen meinen Fingern kaum mehr als bebende Luft. Entschieden nicht von hier. Die Kellnerin mit ihrem Pappkarton und dem Telefon am Ohr meint es nur gut, doch die schwarzen Falkenaugen des Seglers können nichts anderes als Insekten und Ferne.
So viele haben gegeben, getan und gebangt, daß aus Anstoß und Plänen doch noch was wird, und nun ist das Buch Papier. Heute wird es der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich aber werde mir vorstellen, C. säße im Publikum und blätterte in seinem Exemplar: ich würde hoffen, er übersieht das In Erinnerung auf der ersten Seite.
Die Vergessenheit ist eine höfliche Zahlungserinnerung, ein kulleräugiges Maskottchen, eine geheuchelte Anteilnahme. Tagebuch, Flaschenpost, Lebenswerk vielleicht: ausgeknipst. Ein bißchen was in Archiven, ein bißchen was in Caches. Ich bin traurig, nur Trümmer bleiben. Nichts Halbes, nichts Ganzes.
... undulierende Vollmondnacht. das Riesenrad rumpelt und quietscht, wohin man sich setzt beschmiert man sich mit Öl, grünlich schimmernd, ...
Und wirklich Schluß?
– He, he! Was machen die Kinder da vorn! Füße überkops! – Ballett? Ich sehe nix, wo? – Deutsche Mannschaft im Kinderverbiegen. Da, schon wieder! – Laß mich mal auf deinen Platz, von hier sehe ich doch gar nix. Ah, da. Jaja, die haben auch die Frisuren ... – Knüddel aufm Kopp, und das am Feiertag. Vielleicht so ein 100-Prozent-Internat, wo sie den ganzen Tag nix machen als Knüddel aufm Kopp. – Nu laß sie doch. Sind doch Kinder.
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