Radiopredigten, sagt V, könne er innerhalb zweier Minuten zuordnen: bei den Evangelischen ist es Gelaber. Bei den Katholiken ist es deprimierend: das reine Jammertal. – Klar; einem Katholiken muß das Abstrakte verschwurbelt scheinen. Ich hingegen empfinde als geradezu unverschämt, wie unter Glöckchenklang und Weihrauchschwaden nichts weniger versprochen wird als: du mußt nicht sterben; dein Begräbnis ist eine Aussaat. So was zieht natürlich im Jammertal.

Meine Zeitgeber sind Bahnhofsuhren und die an Glockentürmen; die von Apotheken und anderen Geschäften bleiben ja allmählich alle stehen und werden früher oder später abmontiert. Und wie ich mit M aus dem Wald komme, wissen wir schnell, wo wir hinmüssen: Das da ist Eich, mit dieser riesigen Kirche, das lassen wir rechts liegen; wir wollen dort rüber, auf das romanisch-gotische Turmkonglomerat zu. Kann man nix sagen: Kirchen geben Orientierung.

Später stehe ich staunend im Mariendom. So eine herrliche Verschwendung von Raum; so etwas aus der Zeit Gefallenes, verrückt und wunderbar.






Aus der Zeit gefallen, verrückt, wunderbar und -- katholisch?

;-)


Alte Weisheit meines Vaters auf den langen Autoreisen durch die sozialistische Heimat im vom hiesigen Taxi-Unternehmen geliehenen Moskwitsch: »Wo es eine Kirche gibt, gibt es auch eine Kneipe«. Seitdem bekomme ich immer Durst, wenn von irgendwo her die Glocken läuten.


In der Nähe ist zumindest ein ausgezeichnetes Café. In dieser Kirche waren Sie ja vermutlich auch; schön, solche Verzwirnungen und Überkreuzungen.


Wir haben während unserer Herbstreise so viele religiöse Orte besucht, dass es am Ende in ein großes, dunkelbuntes Gewirr aus Gängen, Bögen, Stufen, Fliesen und Kreuzen verschwimmt. Eine Mischung aus Abendland, Gottglaube, Repräsentation und Hoffnung, mir immer wieder fremd.