Der Sommer will nicht recht Abschied nehmen, nur das Licht, das geht täglich zeitiger schlafen.

In meinem Zweithut wohnt eine Spinne samt Kokon; das darf sie, mein Primärhut ist ja nicht verloren.

Neulich sah ich in der Stadt, bei einem energischen Regenguß (was heute Unwetter heißt), einen Mann, der ging mit einer Packung Fladenbrot auf dem Kopf.

Überhaupt wohne ich in einer Stadt, von der H sagt, selbst ihre Linienbusfahrer seien ganz entzückende Geschöpfe. Noch leichter hat man's hier, wenn man Geselligkeit mag oder mindestens Alkohol, Fußball und Musik. Es geht aber auch so recht gut.

Im Dämmer schimpfen Amseln. Die Krähen gegenüber auf dem Dach, da bin ich sicher, beobachten in unseren Küchen, wie man Dosen öffnet, und merken sich schon mal, wo die Vorräte sind.





Im Herzen ein geflügeltes Insekt, das sich wieder und wieder und wieder gegen das Glas der Fensterscheibe wirft.





Aus dem Stand in vollen Lauf, durch schiere Größe wie in Zeitlupe, weich, mit einem Minimum an Bewegung und beinahe lautlos stürmt das Tier vorüber. Ich habe noch nie einen Elefanten rennen sehen. Keine knallenden Hufe, keine flatternde Mähne, nichts als beschleunigte Masse. Wir Zaungäste staunen, Kinder jubeln, die Erwachsenen halten den Atem an: die Elefantenkuh ist fast zwei Meter hoch und wiegt an die fünf Tonnen. Jeden ihrer Tritte können wir im Untergrund spüren. Gäbe es den Zaun nicht, stünden wir nicht hier.

Warum?, fragt ein Kind, als das Tier wieder vorüberkommt, die vielleicht fünfzig, sechzig Meter bis zum Wassergraben. Umdrehen und zurück, wieder und wieder. Oh, wenn man das wüßte!

Ich bleibe noch ein paar Stunden im Tierpark, aber auch vor der Papageienvoliere, im Café, auf der Zugfahrt heim und Tage später folgen meine Gedanken dem rennenden Elefanten.





Ich führe einen spinnenfreundlichen Haushalt. Die tüchtigen Tiere dürfen gern in Blumentöpfen und unter Möbeln, an der Decke oder hinter Heizkörpern ihr Wesen treiben und Ecken und Nischen mit Gespinst erfüllen; da putze ich vorsichtig drumherum. Manchmal liegen Fruchtfliegenbeinchen darunter oder auch ein Mottenflügelchen.

Die Betreiberinnen der Netze bekomme ich fast nie zu Gesicht. Sollte ich eine beschädigen oder töten, ist das immer ein Versehen und tut mir leid.

Ich kenne ihre Namen nicht. Ich weiß, daß sie gut sehen und ihrem Netz mit den Füßen genaueste Informationen ablauschen über ihre Beute. Sie haben ein kompliziertes Sexualleben, verfügen über überragende Textiltechnologie und können fliegen, zwar nicht aus eigener Kraft, aber mit eigenen Mitteln.

Mögen sie lang und ungestört leben.





Die erste große Hitze ist über die Stadt gebrandet und hinterläßt einen Spülsaum aus gebleichtem Gras, abgeworfenen Straßenbaumästen und von Ameisen überlaufenen, toten Jungvögeln auf den Gehsteigen, die der Temperatur noch kein Federkleid entgegenzusetzen hatten.

Es wird immer stiller, sagt M. Im Ballungsgebiet dünnt der Vogelchor Jahr um Jahr weiter aus. Und wir: gewöhnen uns dran. Bis wir nichts mehr hören als unsere eigenen Stimmen; und die der Motoren.