Ich muß bis sieben zählen, etwa sechstausendneunhundertunddreißig mal, und schon nach den ersten knapp tausend kann ich sagen: es geht gut. Das macht mein Hirn auf Autopilot, einfach so, Streich auf Streich.
Ich: … 2 … 4 … 6 … Hirn: SIEBEN! Ich: Ich weiß! Erschreck mich nicht.
Ich: … 2 … 3 … Die Reihe noch, dann kann ich für– Hirn: SIEBEN!! Ich: Argh, ja, ja. Meine Güte.
Ich wüßte nicht, wann, aber das hat es wohl geübt.
Regen, endlich.
Zu Protokoll: einen Mauersegler gehört. Vielleicht.
Hinterhofdrama: Irgendwo unter den Gartenmöbeln der Nachbarn scheint ein Amselküken versteckt zu sein; mehrmals täglich zetern die Alten auf den Dächern, wenn sie nicht hinunter können vor lauter Menschen.
Das Lieblingslokal verkauft Essen zum Abholen. (Und zum Niederknien, natürlich.)
Ein allerletztes, kleines Ende des Tokarczuk-Krimis habe ich noch übrig; und eine ganze Menge Arbeit.
Techniken des Kaffeetrinkens: die schöne Kanne, und der Rechner des Winkels wegen auf dem Herd. Im Gespräch so tun, als benähme sich unterm Tisch ein Huhn daneben.
Neue Hose bestellt. Auch wenn man die alte noch eine ganze Weile außerhalb der Bildfläche weiter hätte zerschleißen können.
Große Rührung über eine kleine, regelmäßige Handschrift, und die Sätze so schön. Fast wie Aug in Auge.
Derweil verstreicht da draußen die Zeit: so müssen sich Insekten im Bernstein fühlen.
Mir kommt das ja eigentlich entgegen. Nur daß es nichts ist mit dem Wandern, betrübt mich.
Den ganzen Tag stehen die Fenster offen; die Vögel übertönen den Verkehr mit Leichtigkeit. Und Schönheit.
Der liebe Freund sagt, er sei jetzt wieder bei Fakebook. Menschen wie er könnten es sich nicht leisten, da wegzugehen, wenn sie sich nicht isolieren wollten. – Mich macht eine Welt wütend, in der es ohne das nicht mehr geht. Vielleicht machen mich auch Leute wütend, die Kontakte anders nicht mehr pflegen. Daß Freundschaft jetzt offenbar auch einen Stecker hat.
(Die tief innerliche Enttäuschung als kleines Kind, wenn Spielzeug Strom brauchte. Das war bedürftig; das war nicht frei. Mit dem war nur unter Bedingungen was anzufangen.)
Quarantäneküche: Risotto mit Hühnerfond, Pecorino und frischem Spinat, in Knoblauch gedünstet.
Die Stadt steht still; das mag ich. Nein, ich hamstere nichts; ja, ich bleibe für mich. Es fehlt weder an Büchern, Netz, Arbeit, Wolle noch an Leitungswasser. Sogar Wein wär noch da.
Zunehmend auf die Nerven geht mir der Ton von DIE sind schuld. "Ich kann keine Gesichtsmasken kaufen, Merkels Politik hat versagt". Echt. In Blogs von alten Bekannten werden zunehmend Wahrnehmungen zu Wahrheiten, Verschwörungtheorien sind immer nur einen Klick entfernt. Mißmut regiert. Ich kommentiere nicht mehr und frage mich, ob das richtig ist.
Schönere Dinge: Eine liebe Blogfreundin will einen Online-Zeichenkurs geben; ich habe erwogen, Schreibspiele zu veranstalten mit anderen gelangweilten Netznutzern. Man muß was zu denken haben, und Pestzeiten haben uns die schönsten unanständigen Geschichten beschert.
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