Montag, 3. Dezember 2018

Wenn das nicht ist, dann ist irgendwas: den Kessel füllen. Im Handgelenk spüren, wann das Wasser reicht. Dann auf die kleine Platte, die so lärmt in letzter Zeit, aber das Wasser unerreicht schnell zum Kochen bringt. Derweil drei Handvoll Bohnen in die Kaffeemühle an der Wand; die habe ich aus dem kleinen Haushaltswarenladen an der Ketzerbach, die greise Besitzerin führte sechstausend Artikel und wußte, wo jeder einzelne stand. (Jetzt wird in dem Laden tätowiert und gepierct.) Beim Kurbeln dringt der erste Kaffeeduft an meine Nase. Das Mahlen dauert, bis das Wasser heiß ist; den Kessel rette ich vom Herd, bevor er pfeifen muß. Dann: die weiße, schöne Tasse. Oder die strengere blaue; manchmal die gerippte mit den Blumen. Der Keramikfilter klickt auf dem Tassenrand. Filterpapier hinein, das schmiegt sich schön; dann prasselt das Kaffeepulver und dann, daß es schäumt, das Wasser aus dem Wasserkessel in den Filter. In Ringen gießen, daß nichts trocken übrigbleibt. Wenn es genug ist, den Filter in die Spüle. Die heiße Tasse an den Tisch tragen, die Hände um sie schließen, die letzten Träume sichten, den Tag erwarten, der immer kommt, und immer früher als gedacht. Kaffee schmeckt, weil man weiß, wie er duftet, ein wenig enttäuschend, egal wie gut er ist.

 

Idee von Ulli im Café Weltenall.





Montag, 26. November 2018

Nix geworden: das Quittenbrot. Fest geworden erst nach Tagen; da hatte ich's schon in ein Glas gefüllt.

Immer wieder zu finden beim Herrn Zeilensturm.

Gut zu wissen für die Geduld: Yakshaving. Und Rubber Duck Debugging (vor allem, wenn man das Badeentchen spielt).

Ein Fortsetzungsroman bei Herrn Damals.

Und noch was Schönes: Verkehrsmittelkritiken, Splatter und Tierbabys beim Herrn Ackerbau. Manchmal kommen sie wieder.





Samstag, 24. November 2018

Die ganze Stadt voll mit Plakaten: Black Friday, Black Weekend, gar: Black Week. Mir ist schleierhaft, wieso man hier partout ein Konzept einführen will, das aus großen Gruppen von Menschen Reißer, Beißer und Plünderer macht; aber vielleicht lebe ich da wieder neben der üblichen Medienwelt.

Der Rest ist Weihnachten. Ganz neu deprimierend: die Riesenplastikkugeln vom Marktplatzweihnachtsbaum sind dieses Jahr mit Werbung bedruckt.

Plätzchenback- und Häkelpläne wider den Adventsüberdruß.

Nachts Schlaf von Niesen bis Niesen. Nicht so schön.





Mittwoch, 7. November 2018

Ich mag, wie am Abend mir Menschen auf dem Gehsteig entgegenkommen. Alterslos in der Straßenbeleuchtung, Mantel geöffnet, Tasche im Griff, im Widerschein des Telefons schwarze Augen und schwarze Lippen: Die frühe Dunkelheit hüllt jeden Flaneur, jede Büroheimkehrerin ein paar Schritte lang in Geheimnis.





Montag, 5. November 2018

Die Erde neigt sich, und es wird finster für uns hier auf der Nordhalbkugel. Kleines Licht in der Frühe, Wolle über Wolle. Ich mag den Wechsel. Daß ich in den Nächten mal nicht schlafen konnte vor Hitze, das muß hundert Jahre her sein.

 

Der Herbst hat eine freundlichere Schönheit als der Frühling, sagt B. Im Frühling ist es: Aufbruch! Blüte! Alles neu! Und im Herbst ist es: Laß los, wir haben es geschafft.

 

Morgen wählen sie in den USA, und es stört mich, daß ich mir darüber Gedanken machen muß.

 

Die Ausstellung im Ruhr-Museum gewinnt gegen kleines Fieber und Regen: Fotografien von A. Renger-Patzsch. Schwarzweiß, ganz wunderbar, vor allem die vom Ruhrgebiet Anfang des letzten Jahrhunderts. Mietskasernen mit Kohlgärten, Bergmannswäsche im ewigen Dunst. Ganz ohne störende Autos, immerhin.

(Bloß das Anlegen, das klappt besser bei MKS.)





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